Fachkräftemangel? Antwort: Personalentwicklung!

Die Medien berichten täglich über Fachkräftemangel. Firmen geben viel Geld aus, um Fachkräfte zu suchen. Vielfach ist aber das ausgegebene Geld fehlinvestiert, weil keine geeigneten Kandidaten gefunden werden. Wäre das Angebot marktgerecht und im anvisierten Fachkräftemarkt begehrt, könnten Resultate erreicht werden. Doch viele Firmen finden das Rezept nicht dazu, weil es weder in ihre Gehaltsstruktur, ihre Arbeitsvorstellungen und ihre Organisation passt. Wenn sie trotzdem Fachkräfte benötigen, bleibt nur der Weg der eigenen Ausbildung.

 

Der Staat soll ausbilden, dafür zahlen wir Steuern.

Der Staat ist ein schwerfälliges Reaktionssystem. Er wird nur aktiv, wenn Probleme in eine schmerzhafte Grösse gewachsen sind, die selbst für ihn bedrohend sind. Vorausschauend aktiv sein kann von Politikern nur begrenzt erwartet werden, denn, sollten Projekte ins Leere laufen, könnte die nächste Wiederwahl unsicher sein. Wohl haben sich die Unternehmen zu wirtschaftlichen Verbänden zusammengetan, um mit Stärke ihre Wünsche an den Staat zu übermitteln. Doch dem Fachkräftemangel wird wohl mit guten Absichtserklärungen, aber weniger mit Taten seitens des Staates begegnet. Den Unternehmen bleibt deshalb kurz- und mittelfristig die Aufgabe, selber dem Fachkräftemangel zu begegnen.

 

Im Personalmarkt befinden sich Menschen, die auf Chancen warten.

Betrachtet man Stelleninserate, fallen immer hohe Anforderungen (eierlegende Wollmilchsau) auf. Das frustriert Menschen, die einen Willen haben, etwas zu erreichen, ihre Leistungsfähigkeit zu zeigen, aber nicht ganz die Anforderungen erfüllen. Sie wissen, dass ihre Bewerbung (vielleicht sogar automatisiert) mit den Anforderungen abgeglichen und dann eliminiert wird. Solche Menschen, junge und weniger junge, bilden eine grössere Gruppe. Meist verfügen sie über:

  • Intelligenz, die aber aus Gründen der Herkunft zu wenig gefördert wurde.
  • Grundkenntnisse und Interesse an technologischen Fachgebieten.
  • Kollegiales Verhalten.
  • Wille zur Leistung.

Diese grössere Menschengruppe gilt es anzusprechen, auf Fähigkeiten und Eigenschaften zu untersuchen und bei guten Resultaten in ein Personalentwicklungsprogramm aufzunehmen, das ihnen den Weg zur ausgebildeten Fachkraft bietet.

 

Sind die Kosten für Personalentwicklung zu hoch?

Billig ist dieser Weg sicher nicht. Es braucht gute Lehrprogramme, bestehende Fachkräfte als Lehrer und Trainer, Paten, die bei Schwierigkeiten lösungsorientiert handeln und manchmal auch Geduld. Doch vergleicht man die Kosten mit den Ausgaben, die für die Rekrutierung vollausgebildeter und erfahrener Fachkräfte ausgegeben werden, kommt man auf ähnliche Zahlen. Zudem haben selber ausgebildete Fachkräfte ein anderes Gehaltsgefüge als Fachkräfte, die vom Personalmarkt abgeworben werden müssen. Wichtig ist, dass selber ausgebildete Fachkräfte längere Zeit im Unternehmen behalten werden können. Entsprechende Unternehmenskultur und Gehaltsanpassung an den allgemeinen Personalmarkt sind dazu notwendig. Zudem muss bei jedem Fall einzeln abgeklärt werden, welche offiziellen Abschlüsse mit eigener Personalentwicklung erreicht werden können, damit selber ausgebildete Fachkräfte auch offizielle Titel tragen können.

 

Personalentwicklung ist Investition in Menschen.

Entsprechend muss die Auswahl derjenigen Menschen, die man in ein Entwicklungsprogramm aufnimmt, sehr fundiert erfolgen. Jede Investition braucht ein «return of investment». Auch das Geld, mit dem Menschen gefördert und gebildet werden, muss über die verrechnete Leistung des Ausgebildeten zurückkommen. Die Suche nach den geeigneten Menschen braucht Anzeigentexte, welche Leistungsfähigkeit, Ehrgeiz, Seriosität und Ernsthaftigkeit ansprechen. Die Auswahl benötigt intensive Gespräche, Tests zur Ermittlung von Charaktereigenschaften und gute Abklärungen über den bisherigen Werdegang.

 

Fazit:
Dem Fachkräftemangel kann nur durch Massnahmen in Personalentwicklung begegnet werden. Viele unternehmerische Einzelinitiativen sind sicher schneller und erfolgreicher als staatliche Konstrukte.        jb